Für die anschließenden Diskussionsansätze werden jeweils zunächst auffällige Vergleichswerte (sofern vorhanden) erläutert und die Ergebnisse im Einzelnen diskutiert. Für eine Vereinfachung bewegen sich die Vergleiche hauptsächlich auf der Ebene der Hauptkategorien. Eine Diskussionshilfe für einzelne Vergleiche zwischen den Themengruppen soll die flgd. Tabelle bieten, die bereits berechnete Differenzen zwischen den Gewichtungen in den Themengruppen anschaulicher darstellt. Die Gesamtdifferenzen sind Betragwerte.
Vergleich 1. Sitzung (Brainstorming mit anschl. Kategorienzuordnung durch Evaluator) mit 2. Sitzung (Punktegewichtung durch Gruppen).
Vergleich Lehrergruppe 1. Sitzung mit Lehrergruppe 2. Sitzung:
Die Verteilungsdifferenzen sind sehr gering und bewegen sich zwischen 0,22 und 5,42 (Betragswerte). Sie betragen im Durchschnitt nur 2,53% (Betrag).
Vergleich Schulleitungsgruppe 1. Sitzung mit Schulleitungsgruppe 2. Sitzung
Die Verteilungsdifferenzen sind größer als in der Lehrergruppe. Auffällig sind die geringeren Schwerpunktsetzungen bei den Organisationalen Ressourcen (10,54%) und bei der Führung (7,34%) zugunsten der Unterrichtsqualität (15,92%).
Die relativ geringen Differenzen sprechen auf den ersten Blick für das Verfahren in der 2. Sitzung. Das Brainstorming betont zwar die Rolle des Lehrers als Experten seiner Situation. Die Praktikabilität des Vorgehens der Brainstorminggruppen ist jedoch im Vergleich zu den Themengruppen der 2. Sitzung wesentlich geringer, da die Zuordnung zu den Kategorien durch den Evaluator sehr zeitaufwendig ist. Sie wird durch den Umstand erschwert, dass viele Themen durch die Gruppenteilnehmer sehr allgemein und unkonkret formuliert waren. In diesen Fällen mussten für das Rating alle möglichen Kategorien in Betracht gezogen werden. Rückmeldungen von Seiten der Gruppenmitglieder haben gezeigt, dass es z.T. Schwierigkeiten bereitete, die richtigen Formulierungen zu finden.
Durch die Formulierung arbeits- und organisationspsychologischer Unterkategorien (2. Sitzung) ist die Tendenz zu abstrakten bzw. handlungsirrelevanten Themenformulierungen stark reduziert.
Selbstverständlich müssen auch hier Konkretisierungen in den Unterkategorien formuliert werden. Durch den vorgegebenen kategorienbedingten Orientierungsrahmen ist dies jedoch sowohl zeitlich als auch inhaltlich für die Lehrkräfte leichter möglich. Um dem Expertenstatus nicht zu sehr vorzugreifen, sollte hier die Möglichkeit für eigene Fragen zusätzlich gegeben werden.
Vergleich der beiden Gruppen innerhalb der jeweiligen Sitzungen
Vergleich Lehrergruppe 1. Sitzung mit Schulleitungsgruppe 1. Sitzung:
Die Verteilungsdifferenzen zeigen eine Mehrgewichtung der Kategorien Führung (13,36) und Kommunikation (7,28) bei der Schulleitungsgruppe, wobei die Lehrergruppe dem Thema Belastung (9,02) sowie in geringem Maße der Unterrichtsqualität (6,23) mehr Gewicht einräumt als die Schulleitung.
Vergleich Lehrergruppe 2. Sitzung mit Schulleitungsgruppe 2. Sitzung:
Die Verteilungsdifferenzen zeigen eine weniger deutliche Mehrgewichtung der Kategorie Führung (8,53) und eine ähnlich deutliche Mehrgewichtung der Kategorie Kommunikation (8,93) auf Seiten der Schulleitungsgruppe. Die Mehrgewichtung des Themas Belastung (13,10) hat in Bezug zur 1. Sitzung gegenüber der Schulleitung deutlich zugenommen. Auffallend ist die Verlagerung der Mehrgewichtung des Themas Unterrichtsqualität (6,23) in Richtung Schulleitungsgruppe.
Selbstverständlich wäre zu diskutieren, inwieweit die vom Evaluator zugeordneten Kategorienschwerpunkte mit den vom Kollegium verteilten Schwerpunkten vergleichbar sind. Interessant ist, dass die Differenzen im Betrag innerhalb der Gruppen zw. 1. und 2. Sitzung geringer sind als die Differenzen zwischen Lehrergruppe und Schulleitungsgruppe innerhalb der jeweiligen Sitzung. Zudem sind die Differenzen zwischen beiden Gruppen der 1. Sitzung geringer als in der 2. Sitzung, was evtl. auf einen Einfluss des Evaluators durch seine Zuordnungsprinzipien zurückgeführt werden kann. Ebenso ist aber auch sehr wahrscheinlich, dass die Präsentation der A&O-Kategorien und die Erläuterungen zu deren theoretischen Hintergrund die Aufmerksamkeit auf weitere wesentliche Themenbereiche gelenkt und somit zu einer Schwerpunktverschiebung geführt hat. Dies wird besonders deutlich bei den Kategorien Belastung und Führung. Das Empfinden von Belastung ist ein ständig aktuelles Thema in Kollegien und führt häufig zu einer Verengung des Blickwinkels auf die Negativa in der Schule und somit zu einer rein korrektiven Sichtweise.
Das Thema Führung ist verständlicherweise ein wesentlicher Punkt in der Schulleitungsgruppe, der ebenso an Gewicht verlieren kann, wenn durch die Wahrnehmung des möglichen Gesamtgestaltungsfeldes andere relevante Themen bewusst werden.
Vergleich der als persönlich wichtig und der als schulentwicklungsbedingt wichtig eingeschätzten Kategorien untereinander (PE-SE)
Relative Übereinstimmungen mit geringer Gewichtsverlagerung (<5%) in Richtung SE (Schulentwicklungsbedingt wichtig) finden sich bei den Kategorien: Entwicklungsressourcen, Kommunikation, Organisationale Ressourcen und Führung.
Deutlichere Unterschiede mit stärkerer Gewichtung (zw. 5 und 10%) im SE-Bereich finden sich in den Kategorien Identität & Ziele und Unterrichtsqualität.
Auffallend ist, dass Soziale Ressourcen gar keine Beachtung in der SE-Wertung erhalten haben.
Der deutlichste Unterschied ist in der Kategorie Belastung erleben und bewältigen erkennbar mit einer sehr deutlichen Mehrgewichtung von über 22% zugunsten des PE (persönlich wichtigen) –Bereiches.
Diese Vergleiche zeigen recht eindrücklich, dass die Perspektive einen starken Einfluss auf die Themengewichtung hat. Arbeits- und organisationspsychologisch sind beide Perspektiven wichtig. Es ist nicht anzunehmen, dass in Themenfindungsprozessen immer beide Perspektiven gleichzeitig aufmerksamkeitsleitend sind.
Vergleich der als persönlich und schulentwicklungsbedingt wichtig gewerteten Fragen mit den Befragungsergebnissen
Im Anhang befinden sich Fragenlisten mit a&o-psychlogisch positiv bzw. negativ zu interpretierenden Mittelwerten (aus Lehrerbefragung), die von keiner Lehrkraft als schulentwicklungsbedingt oder (und) persönlich wichtig eingeschätzt wurden. Hier zeigt sich recht deutlich, dass die Relevanz konkreter Fragestellungen bzw. einzelner Themen nicht allein durch ihre Formulierung erkannt wird. In dieser Schule trifft das hauptsächlich auf die Kategorien Entwicklungsressourcen, Kommunikation und Unterrichtsqualität zu. Auffallend ist wiederum, dass die einzige Kategorie, in der alle relevanten Fragen als wichtig angegeben wurden, die Kategorie „Belastung erleben und bewältigen“ ist. Dies unterstreicht den schon in der Individuumsebene angenommenen starken Aufmerksamkeitsfokus auf dieses Thema.
Vergleichende Betrachtung der Themenschwerpunktfindung in den Unterkategorien
Ähnliche Themenschwerpunktvergleiche konnten mit den Themen der Brainstorminggruppen (1. Sitzung) sowie mit den SE und PE –Themen in den Unterkategorien der 8 Hauptkategorien durchgeführt werden. Die Schwerpunkterhebungen erfolgten genauso wie bei den Hauptkategorien. Die Übersicht der Schwerpunktverteilungen befindet sich im Anhang.
Vergleich Lehrergruppe 1. Sitzung mit Schulleitungsgruppe 1. Sitzung:
Die Verteilungsdifferenzen liegen i.d.R. unter 10%. Einzig die Führungsrolle (Hauptkategorie Führung) und das Externe Wissensmanagement (Hauptkategorie Entwicklungsressourcen) zeigen eine Mehrgewichtung von 20% auf Seiten der Schulleitungsgruppe.
Vergleich der als persönlich wichtig und der als schulentwicklungsbedingt wichtig eingeschätzten Unterkategorien untereinander:
Hier gibt es wieder auffällige Gewichtungsunterschiede, die in der Hälfte der Unterkategorien >= 20% zwischen den PE- und SE-Wertungen der Lehrkräfte betragen.
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