Gestaltungshinweise
In den vorhergehenden Kapiteln sind im jeweiligen Fazit bereits Gestaltungsvorschläge angedeutet bzw. teilweise auch konkretisiert. Es sollen hier dennoch nochmals einige Gestaltungshinweise formuliert werden. Teils um konkrete Vorschläge zu machen, teils um wichtige Punkte nochmals gesondert aufzugreifen.
Ein Teil der Gestaltungsvorschläge ist für die Schule nicht unmittelbar umsetzbar. Dafür fehlen teilweise die finanziellen, räumlichen oder zeitlichen Ressourcen bzw. die rechtlichen Voraussetzungen. Deswegen sind die Hinweise für die Schule dennoch nicht irrelevant. Gestaltungsvorschläge können u.U. als Argumentationshilfen gegenüber Schulträger, Schulaufsicht oder Eltern dienen.
Eventuell können die Gestaltungsvorschläge auch einfach als Denkanstöße für Entwicklungsprozesse dienen, die Lösungsmöglichkeiten hervorbringen, die der Evaluator aufgrund seiner Außensicht übersehen hat.
- Das Kollegium zeigt ein auffallend hohes Bedürfnis nach Transparenz der internen Zuständigkeiten (Bedeutung der Transparenz M=4,22) Da dieser Wert erheblich über der erlebten Übersicht (Überblick über die Aufgabenverteilung M=3,08) liegt, besteht hier ein Handlungsbedarf. Eine bessere Übersicht der Aufgaben und Funktionen könnte z.B. über eine permanente Polyvalenzmatrix erreicht werden, die im Lehrerzimmer aushängt. Dieser Gestaltungsvorschlag wäre relativ kostenneutral und nur mit geringem organisatorischem Aufwand verbunden, da die Lehrer Veränderungen selbst vermerken könnten. Eine solche Maßnahme würde besonders die Integration von neuen Kolleginnen und Kollegen fördern.
- Innerhalb des Kollegiums besteht ein hohes Bedürfnis nach Arbeitsplätzen in der Schule. Die Voraussetzungen hierfür sind allerdings unzureichend. Es sollte überlegt werden, inwieweit es möglich wäre, im Lehrerzimmer einige Arbeitsplätze einzurichten und diese eventuell durch Stellwände etwas abzutrennen.
- Die Raumausstattung des Lehrerzimmers liegt in der allgemeinen Wahrnehmung auf einem bedenklich niedrigen Niveau. Durch raumplanerische Maßnahmen könnten diesbezüglich sicherlich Verbesserungen vorgenommen werden. Der Rat eines kompetenten Innenarchitekten wäre hier sicherlich angebracht. Dies gilt ebenfalls in allgemeiner Form für die nicht vorhandenen Gesprächsnischen an der Schule, was die allgemeinen informellen Kommunikationsmöglichkeiten einschränkt.
- Die Kommunikationsmöglichkeiten werden ebenfalls durch die schlechte akustische Isolierung der Schule beschnitten. Die Beeinträchtigung durch Lärm ist die zweithäufigst genannte belastende Arbeitsbedingung, die im Kollegium genannt wird. Da das Kollegium einen hohen Belastungstyp B aufweist, muss in diesem Zusammenhang von einer gesundheitsbeeinträchtigenden Wirkung ausgegangen werden. Sinnvolle Maßnahmen können hier wahrscheinlich nur durch entsprechende bauliche Veränderungen durchgeführt werden. Insgesamt finden sich noch wesentlich mehr Beispiele für die mangelhaften räumlichen Ressourcen der Schule. Da dieser Bereich in den Verantwortungsbereich des Schulträgers fällt, gilt es für die Schulleitung, eine entsprechend fundierte Argumentation gegenüber der Gemeinde aufzubauen und den Bedarf mit Nachdruck zu vertreten.
- Die Unterstützung durch die Eltern wird als unzureichend erlebt. Dies ist insbesondere deshalb bedauerlich, weil Eltern und Lehrer einen gemeinsamen Erziehungsauftrag haben. Hier gilt es in Kooperation mit den Eltern Strategien zu entwickeln, um die Eltern stärker ins schulische Geschehen einzubinden.
- Das soziale Klima im Kollegium ist von großer Freundlichkeit jedoch nur von mittelmäßigem Vertrauen gekennzeichnet. Diesbezüglich sollte im Kollegium geklärt werden, inwieweit optimierende Möglichkeiten und Veränderungen von Kommunikationsansätzen in der Schule zu einer Vertrauensstärkung beitragen könnten.
- Das knowledge management der Schule wurde auf mehreren Ebenen als unzureichend beschrieben. Angefangen vom gezielten Austausch von Unterrichtsmaterialien bis zur unstrukturierten Kommunikation von auf Fortbildungsveranstaltungen erworbenen Informationen. Da „Wissen“ im Untenehmen Schule ein wesentliches Betriebskapital darstellt, erscheint es dem Autor als besonders geboten, dass die Schule in diesem Bereich besondere Anstrengung unternimmt. Die Einrichtung eines Wissenspools könnte zum Beispiel auch dazu beitragen, dass jüngere Kollegen vom Erfahrungswissen der älteren Kollegen profitieren. Gleichzeitig würden die Erfahrenen so auch neue Impulse durch das aktuelle Wissen der neuen Kolleginnen und Kollegen aufnehmen können. Gegenseitige Unterrichtsbesuche und Rückmeldungen sind zwar an der Schule nicht üblich, wären nach Meinung des Autors aber ein geeignetes Mittel, um die in der Schule reichlich vorhandenen Ressourcen besser zu aktivieren.
- Die Ergebnisse der Spiegelung zwischen Eltern und Lehrern bezüglich der Ziele deuten auf einen Gesprächs- und Diskussionsbedarf hin. Der hohe Zielkonsens im Kollegium bietet eine gute Ausgangsbasis für die gemeinsame Erarbeitung eines Schulprogramms. Ein solches konkretes Schulprogramm existiert jedoch noch nicht. Gerade im Hinblick auf die Selbstdarstellung der Schule im Umfeld wäre eine Formulierung und Kommunikation der gemeinsamen Leitvorstellungen von Nutzen.
- An der Schule wurde eine Vielzahl von teilweise sehr innovativen Projekten gefunden. Die große Anzahl der Projekte ist jedoch in keinen Gesamtkontext eingebunden. Die soziotechnische Geschichte der Schule deutet die Gefahr der Selbstausbeutung eines bestimmten Teils des Kollegiums an. Mit einer gemeinsam getragenen Innovationsstrategie könnten solche Kollinnen und Kollegen im Kollegium eine breitere Unterstützung aktivieren.
- Der Austausch mit benachbarten Realschulen sollte nicht nur auf Schulleiterebene intensiviert werden. Ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch und der Aufbau von fachlichen und pädagogischen Synergieeffekten in den schulischen Bereichen wäre so möglich.
- Eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema Schulqualität hat in der Schule bisher noch nicht stattgefunden. Als Indikatoren für Schulqualität werden hauptsächlich die Leistungen der Schüler angeführt. Hier gilt es, eine gemeinsame Strategie der Qualitätssicherung zu entwickeln, die über die Ergebnisqualität hinausgeht.
- Eine gezielte Laufbahnentwicklung im Sinne einer Karriereplanung findet nicht statt. Eine strategische Planung des Weiterbildungsbedarfs durch Schulleitung und Kollegium wäre diesbezüglich sinnvoll.
- Der Schule ist es nicht möglich, externes Expertenwissen zu nutzen. So wäre es nach Meinung des Evaluators nicht nur aus arbeitspsychologischen sondern auch aus fachlichen und betriebswirtschaftlichen Erwägungen sinnvoll, im Schulsystem Fachkräfte zu beschäftigen die für mehrere Schulen bestimmte fachspezifische Aufgaben übernehmen können (z.B. im Bereich Netzwerktechnik)
- Die Beanspruchungssituation deutet einen Interventionsbedarf an. In diesem Zusammenhang sollte die Schule überlegen, inwieweit professionelle Hilfe etwa in Form eines wöchentlichen Supervisionsangebots für die Lehrer und Lehrerinnen hilfreich sein könnte
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