Die Literatur bietet hauptsächlich im pädagogischen Bereich eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze und Erhebungsinstrumente zum Thema Schulevaluation. Mittlerweile steht das Thema aus aktuell politischem Anlass im Diskussionsfokus der Schulqualitätsdebatte. Expertisen zu Qualitätssystemen und deren Relevanz für den Schulbereich stehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Zwei Diskussionsschwerpunkte beschäftigen im Wesentlichen die Debatte zur Schulqualitätsforschung:
1. Qualitätskriterien guter Schule:
Insgesamt hat sich in den letzten Jahrzehnten der Fokus der Bildungsforschung ähnlich wie im Unternehmensbereich weg von zentralen Kontroll- bzw. Veränderungsmechanismen hin zu einer Stärkung der Autonomiebestrebungen der Einzelschule bewegt. Zunehmend rückt die Bedeutung und Untersuchung von Prozessvariablen für die Schuleffektivitätsforschung in den Mittelpunkt der Betrachtung, da klassische Schulqualitätsmechanismen der schulübergreifenden Vorgabe von Inputvariablen (Ressourcenverteilung, gesetzliche Bestimmungen, u.a.) sowie der Leistungsbewertung von Schülerleistungen im Rahmen von Outputvariablen hierfür keine ausreichende Aussagekraft besitzen.
Mehrere z.T. groß angelegte Studien von Rutter et al., (1979), Aurin (1991), Fend (1998) ergaben ähnliche Merkmale „guter“ Schulen, die weniger im Bereich harter Kriterien (z.B. Klassengröße, Ressourcen) als vielmehr im Bereich „weicher“ Kriterien im Sinne eines schulatmosphärischen Charakters liegen. Dies heißt jedoch nicht, dass die strukturellen Rahmenbedingungen weniger wichtig sind, sondern dass sie in isolierter Form wenig aussagefähig sind.
Qualität ist nach Buhren (1999) nicht für jede Schule gleichermaßen definierbar. Schulen sind vielfältigen Qualitätsanforderungen durch unterschiedliche gesellschaftlichen Interessengruppen in ihrem Um- und Imfeld ausgesetzt. Sie müssen dennoch in diesem komplexen Spannungsfeld eine gemeinsame Linie finden, um Qualitätskriterien definieren und kontrollieren zu können.
Buhren (1999) unterteilt die von ihm vorgeschlagenen Qualitätsindikatoren auf die Ebenen Input, Kontext, Prozess und Output, wobei die letzten beiden Ebenen von der Schule selbst wesentlich besser zu beeinflussen sind und somit einem schulinternen Entwicklungsprozess mehr Handlungsmöglichkeiten bieten. Die Auswahl relevanter Indikatoren sowie deren Wichtigkeit ist seiner Meinung nach der einzelnen Schule mit ihrer jeweils spezifischen Fragestellung vorbehalten.
Einschränkend zu den Ausführungen muss angemerkt werden, dass die aktuelle Bildungsdiskussion den Aufmerksamkeitsfokus wieder verstärkt in die Richtung zentraler Leistungsevaluationen gelenkt hat. Finnland hat bei der PISA-Studie sehr gute Ergebnisse erzielt und viele Pädagogen interessiert neben den Merkmalen des dortigen Schulsystems auch das entsprechende Evaluationssystem. Die Evaluation im finnischen Schulwesen wird ausschließlich vom Zentralamt für Unterrichtswesen regelmäßig durchgeführt und ist auf die Lernergebnisse in den unterrichteten Fächern von der Grundbildung bis zur beruflichen Bildung ausgerichtet.
2. Die Wahl der Evaluationsmethodik:
Dieser Punkt berührt hauptsächlich die Diskussion interne vs. externe Evaluation und zeigt eine große Uneinigkeit über die grundsätzlichen Rahmenbedingungen von Schulevaluation.
Das Spektrum des Evaluationsverständnis reicht von der internen nicht öffentlichen Projektarbeit in der Schule (Eigenentwicklung eines Kollegiums) bis zur Forderung standardisierter externer Schulevaluation im gesellschaftlichen Auftrag mit entsprechenden Inspektionsberichten an die Öffentlichkeit (wie z.B. im schottischen Qualitätssystem verwirklicht). Verschiedene Verfahren wurden zur Qualitätsevaluation an Schulen bislang vorgeschlagen, von denen hier beispielhaft das TQM-Modell der European Foundation for Quality Management (EFQM) und das „Formative Qualitätsevaluationssystem FQS“ des Dachverbandes der Schweizerischen Lehrerinnen und Lehrer, der seinen Schwerpunkt auf die Selbstevaluation an Schulen legt, genannt werden sollen. Sowohl die externe als auch die interne Evaluation können wirksame Anteile für einen schulinternen Selbstevaluationsprozess beinhalten. Es gibt nicht den Königsweg für eine Entscheidung in dieser Frage, sondern es bleibt das Spannungsfeld zwischen Wirksamkeit und Vergleichbarkeit (vgl. Becker, von Ilsemann, Schratz, 2001), Rechenschaft und Professionalisierung, Kontrolle und Entwicklung, für die es eine Balance zu finden gilt.
Verschiedene Europäische Länder verbinden im Rahmen eines Qualitätsmanagements an Schulen die interne und externe Evaluation. In Schottland z.B. führen alle Schulen anhand von 33 Qualitätsindikatoren jedes Jahr interne Überblicksevaluationen durch. Dieselben Qualitätsindikatoren bilden die Grundlage für die regelmäßigen externen Evaluationen durch Schulinspektoren an den Schulen (siehe auch C. Stern, P. Döbrich, 2000).
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