Auf der folgenden Seite ist der Ablauf der Evaluation schematisch dargestellt. Die einzelnen „Stationen“ der Evaluation möchte ich im folgenden näher erläutern und das jeweilige Vorgehen begründen.
Kontaktaufnahme
Der Kontakt zur Realschule ergab sich über ein staatliches Schulamt. Im Schulamt wurde die erfolgreiche Vorarbeit von Nordmann (2000) mit großem Interesse verfolgt. Die Schulleitung war mit dem Wunsch an Ihre Dienstaufsichtsbehörde herangetreten, ein ähnliches Vorhaben an der eigenen Schule zu initiieren. Nach einem ersten telefonischen Kontakt mit dem Schulleiter wurde ein Vorgespräch vereinbart.
Neben dem Autor der Arbeit waren die Schulleitung und ein Lehrer bei diesem Gespräch anwesend. Dabei wurde vom Evaluator Wert darauf gelegt, bereits zu diesem frühen Zeitpunkt einen Vertreter des Kollegiums in die Erstgespräche mit einzubeziehen. Die dadurch dokumentierte Transparenz erscheint mir einerseits als vertrauensbildende Maßnahme gegenüber dem Kollegium als geboten. Andererseits soll damit der ganzheitliche Ansatz gegenüber der Schule angedeutet werden.
In diesem ersten Zusammentreffen ging es neben dem allgemeinen „Kennenlernen“, bereits um eine erste Abgleichung der Ziele. Im Verlauf eines weiteren Gesprächs wurden die möglichen Erhebungsmethoden und der konzeptuelle Hintergrund der MTO-Analyse in verkürzter Form angesprochen. Eine vorläufige Planung wurde abgestimmt und als nächster Schritt die Vorstellung des Vorhabens in einer Gesamtlehrerkonferenz vereinbart.
Vorstellung des Vorhabens gegenüber dem Kollegium.
Für die Gesamtlehrerkonferenz wurde die geplante Untersuchung mit einer Powerpoint- Präsentation vorgestellt. Neben der Vorstellung des Evaluationsteams wurden in der GLK das a&o psychologische Evaluationsverständnis, die Grundlagen des 4-Ebeneansatztes der MTO-Analyse, mögliche Fragestellungen und Erhebungsmethoden beispielhaft präsentiert.
Dabei wurde insbesondere betont, dass es sich um eine ganzheitliche Untersuchung handelt und dass die Beteiligten an der Zielsetzung, Planung und Durchführung der Evaluation beteiligt werden, um ein umfassendes Bild zu erhalten.
Aus psychologischer Sicht ist insbesondere die freiwillige Teilnahme an einer Untersuchung von großer Bedeutung. Einerseits sind bei einer „Zwangsteilnahme“ nur bedingt valide Daten zu erwarten. Andererseits erscheint es aus motivationaler Sicht geboten, dass die Untersuchung durch eine Stärkung von intrinsischen Anreizen als Vorhaben an, von und für die Schule verstanden wird.
Im Anschluss an die Präsentation wurde dem Kollegium Raum für Diskussionen und Fragen gelassen. Der Evaluator hatte aus diesen Gründen eine breite Zustimmung von mindestens 2/3 des Kollegiums als Voraussetzung für eine Durchführung gemacht. Diese persönliche Zielvorstellung wurde allerdings nicht kommuniziert.
Im Verlauf der Veranstaltung kam es dann zu einer Abstimmung, aus der sich eine breite Zustimmung zur vorgestellten Arbeit ergab. (Allgemeine Zustimmung bei 3 Enthaltungen)
Vorstellung des Vorhabens gegenüber dem Kollegium
Nachdem somit der Auftrag für eine Evaluation durch das Kollegium eine ausreichende Unterstützung fand, galt es im nächsten Schritt, das Kollegium konkret in Form einer Lehrergruppe einzubinden.
Bei der Bildung der Lehrergruppe sollten folgende Kriterien berücksichtigt werden.
Möglichst hohe Akzeptanz im Gesamtkollegium
Das Kollegium soll hinsichtlich der internen Verteilungen (Fächergruppen, Geschlecht, Teilzeit/Vollzeit) möglichst gut repräsentiert werden.
Auch die gegenüber der Evaluation kritisch eingestellten Meinungen sollten vertreten sein.
Neben der konkreten Arbeit der Themengenerierung bestand eine Hauptaufgabe der Gruppe in der Kommunikation mit dem Kollegium. Zum jeweiligen Evaluationsstand sollte die Gruppe im Kollegium Feedback einholen und Feedback geben. Damit sollte auch weiterhin eine möglichst hohe Transparenz des Ablaufes im Gesamtkollegium gesichert werden.
Der Prozess der Themengenerierung
Dieser Prozess ist in Kapitel 11 ausführlich beschrieben. Die zwei vereinbarten Termine der beiden Gruppen sollten zunächst auf jeweils etwa 2 h Stunden im ersten Termin und 2 Stunden im zweiten Termin festgelegt werden, um die zusätzlichen zeitlichen Anforderungen an die Lehrer zu begrenzen. Im ersten Termin der Lehrergruppe konnte dieser Zeitraum allerdings nicht eingehalten werden. Dies lag zum Einen am großen Engagement der Gruppe, zum Anderen an einem noch hohen Klärungs- und Informationsbedarf, der in der Schulleitungsgruppe durch die Vorgespräche zum großen Teil bereits abgearbeitet war.
Die MTO-Analyse auf den Ebenen
Für diesen Teil der Evaluation wurden anhand der Vorarbeit von Nordmann, den Vorschlägen der Schulleitung zu relevanten Themengebieten in Vorgesprächen sowie den Vorschlägen von Strohm und Ulich (1997) verschiedene teilstrukturierte Interviews geführt. Die Fragen und Antworten der Interviews sind im Anhang abgebildet und im Zusammenhang mit den jeweiligen Ebenen nochmals aufgegriffen. Neben den Interviews konnte der Evaluator über verschiedene Datenquellen mittels Dokumentenanalyse weitere relevante Informationen erheben.
Die Fragebogenerhebungen
Die Datenerhebungen durch die Fragebogen waren einerseits an die Zusage einer Anonymisierung der Teilnehmer geknüpft. Andererseits sollte eine individuelle Rückmeldung des jeweiligen Belastungstyps möglich sein. Im Kollegium zeigte sich bereits während der Vorstellung dieser Möglichkeit ein großes Interesse an einer Rückmeldung der individuellen Belastungssituation. Aus diesem Grund wurde für jeden Fragebogen ein Codewort durch den Lehrer vermerkt, mit dem die interessierten Kolleginnen und Kollegen dann Möglichkeit hatten, sich zu einem individuellen Beratungsgespräch anonym in eine Liste einzutragen.
Die Beratungsgespräche wurden durch den Schulpsychologen geführt. Das Einverständnis der Lehrerinnen und Lehrer zur Teilnahme des Evaluators an diesen Gesprächen ermöglichte eine teilweise differenziertere Betrachtung der Ergebnisse des arbeitsbezogenen Beanspruchungserlebens. Aus Datenschutzgründen wurden während der Beratungssitzungen jedoch keine Aufzeichnungen angefertigt. Eine systematische Auswertung dieser Gespräche war somit auch nicht möglich.
Der Schülerfragebogen wurde während der Unterrichtszeiten durch die Schüler ausgefüllt. Auch hier wurden die Teilnehmer anonymisiert. Aus methodischer Sicht war hier die Berücksichtigung der entwicklungsbedingt unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten wichtig. Die Fragen wurden deswegen möglichst einfach und konkret formuliert. Die in der Schülerschaft abgefragten Themen waren im Lehrerfragebogen ebenfalls enthalten, um eine Spiegelung der jeweiligen Antwortverteilungen zu ermöglichen.
Entsprechend dem Schülerfragebogen wurde ein Elternfragebogen erstellt, in dem die Fragestellungen zu den bereits im Schülerfragebogen erfassten Themen aus der Elternperspektive formuliert waren.
Die Rückmeldungen
Ein wesentlicher Teil der Ergebnisse der Analyse wurde dem Kollegium im Rahmen einer GLK zurückgemeldet. Dazu wurden die Ergebnisse weitgehend in Diagrammen aufgearbeitet und als Powerpoint Präsentation vorgeführt. Dazu gehört zum Einen eine spezifische Betrachtung der Themenspiegelung Kollegium-Schüler-Eltern, zum Anderen die Formulierung weiterer Gestaltungsvorschläge, die sich aus dieser Spiegelung ergeben.
Die Rückmeldung an die Eltern und Schüler soll in Form einer schriftlichen Information durch die Schulleitung erfolgen.
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