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Guten Tag.
Ich bin Lehrerin an einer Hauptschule und erlebe tagtäglich ein extrem hohes Gewaltpotenzial meiner Schüler, insbesondere der Jungen, aber auch mehr und mehr der Mädchen. Die Schüler zeigen eine enorme Aggressivität, nicht nur in den Pausen, sondern auch im Unterricht, und ich fühle mich, u.a. auch deshalb, weil ich mit meinen 1,55m den Schülern häufig allein körperlich weit unterlegen bin, immer öfter überfordert und diesen Gegebenheiten nicht mehr gewachsen. Natürlich bin ich mit dieser Problematik nicht alleine, aber es gibt in unserem doch relativ anonymen Kollegium keine richtige Möglichkeit (z. B. eine Supervision o. Ä.), um solche Themen und Schwierigkeiten zu besprechen und adäquate Hilfestellungen zu finden. Ich würde auf diesem Wege gerne erfahren, wie andere LehrerInnen solche Situationen meistern, und ob es irgendwelche Strategien gibt, die ich anwenden könnte. Ich bedanke mich vorab für Ihre Antworten. Doris Koller |
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Liebe Frau Koller,
eigentlich gehöre ich nicht zu der von Ihnen an gesprochenen Kollegengruppe. In meiner alltäglichen Arbeit bin ich (glücklicherweise) mit Ihrem Problem nicht direkt konfrontiert. Vielleicht kann ich Ihnen aber mit einem Literaturhinweis etwas weiterhelfen. Sicherlicgh wird sich im Laufe der Zeit der eine oder andere echte Kollege zu diesem Thema äußern. Mein Hinweis: Prof. Dr. Kurt Singer Lehrer-Schüler-Konflikte gewaltfrei regeln Erziehungsschwierigkeiten und Unterrichtsstörungen als Beziehungsschwierigkeiten bearbeiten Beltz Verlag Weinheim, 5.Auflage 1996, 197 Seiten € 19,00 Lehrer-Schüler-Konflikte gewaltfrei regeln Abstract: Konflikte gehören zum Schulalltag. Wir können sie nicht verhindern, aber wir können sie aufdecken und bearbeiten. Andernfalls führen sie zu andauernden Lehrer-Schüler-Machtkämpfen und Strafaktionen, die Lehrerinnen und Lehrern das Leben schwer machen, aber auch Kindern und Jugendlichen. Das Buch belehrt nicht darüber, was Lehrerinnen und Lehrer besser machen sollen, sondern fragt danach, wie sie mit den Schülern besser leben können: Bleibe ich im Unterricht „ich selbst“ oder muss ich meine Person einer Lehrer-Rolle opfern, die mir nicht gefällt? Darf ich meine Wünsche und Ängste im Schulalltag merken? Kann ich mit den Jugendlichen so Kontakt aufnehmen, wie ich das möchte? Die Frage „Was mache ich richtig oder falsch?“ weicht den Fragen „Wer bin ich? Wie möchte ich sein?“ Der Leser wird angeregt, Entwicklungsprozesse bei sich selbst zu ermöglichen, die ihm helfen, Disziplinprobleme und Erziehungsschwierigkeiten im Unterricht nicht mit Machtmitteln oder psychologischen „Strategien“ zu lösen, sondern zu Schülern und Klasse Beziehung aufzunehmen, statt nur zu erziehen. Die anschaulichen Beispiele zeigen keine „idealen Lösungen“; sie ermutigen dazu, Prozesse zu wagen, sich zu verständigen. Die Fallbeispiele sind nicht zum Nachmachen, sondern zum Nachdenken. Sie sollen dazu anregen, sich mit sich selbst und mit den Schülern konflikt-bearbeitend einzulassen: miteinander Konflikt-Konfliktfähigkeit zu lernen. Es handelt sich auch um die Frage: Können wir in der Schule dazu beitragen, den Frieden zu lernen? In unserer durch Kriege gefährdeten Welt sollte Friedenspädagogik in der Schule als Information über Wege zum Frieden und als unmittelbare Erfahrung im Zusammenleben eine größere Rolle spielen als sie das derzeit tut. |
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Sehr geehrter Herr Punge,
Sie zitieren da mit Worten, die mir ein Frösteln über den Rücken jagen: Zitat:
Ich gehöre glücklicherweise auch nicht zu den Betroffenen, wohl aber zu den Kollegen. Und glauben Sie mir, meine Berufsschüler singen nicht alle im Knabenchor ... Ich bin durchaus der Meinung, dass man Dinge richtig und falsch machen kann, wenn es um Gewalt in der Schule geht. Vielleicht habe ich mich aber schon gefunden und die Frau Koller noch nicht - wer weiss ... Herzliche Grüsse Heinz Vetter, Berufschullehrer |
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Sehr geehrter Herr Vetter,
ich muss sagen, dass mich ihre harten Worte erschreckt haben, da ich den Ansatz von Herrn Punge, sowie dessen Literaturempfehlung als äußerst hilfreich empfand. Die Anregungen von Herrn Punge, sowie die Worte von Prof. Dr. Kurt Singer in seinem Buch "Lehrer-Schüler-Konflikte gewaltfrei regeln" haben mich zum Nachdenken angeregt über meinen Stand in der Klasse, mein tatsächliches Verhältnis zu den Schülern, etc. Darüber hinaus habe ich mir das erste Mal überhaupt Gedanken darüber gemacht, ob meine Schüler diese Angst, von welcher ich berichtet habe, möglicherweise spüren und ich so die für meine Aufgabe so wichtige Authorität durch mein eigenes Auftreten gefährde. Dies sind Fragen, die in mir einiges bewegt haben und dies auch weiter bewegen werden, weshalb ich Herrn Punge an dieser Stelle herzlich danken möchte. Und Ihnen, Hr. Vetter, kann ich nur raten, Ihre doch sehr starre Position noch einmal zu überdenken... ich kann Ihnen sagen: es lohnt sich manche Dinge ab und zu einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten! Herzlichst, Ihre Doris Koller! |
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