Köln, 20. August. Der Zustand der Bildungssysteme in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren nachhaltig verbessert. Die Studie Bildungsmonitor 2007 weist im Vergleich zum Bildungsmonitor 2004 einen durchschnittlichen Zuwachs von 9,5 Punkten für alle Bundesländer bei einem durchschnittlichen Gesamtergebnis von aktuell 58,8 Punkten aus.
Die größten Fortschritte (13 Punkte im Schnitt) können die ostdeutschen Bundesländer mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern verbuchen, sowie die Stadtstaaten Berlin und Bremen. Das sind zentrale Ergebnisse der vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellten Bildungsstudie.
Quelle:Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
Der Fremdsprachenunterricht an Grund- und beruflichen Schulen wurde deutlich ausgebaut. Die Zahl der Hochschulabsolventen hat zugenommen. Der Verbreitungsgrad von Bachelor-Studiengängen steigt. Einen Anstieg verzeichnen auch die Bildungsausgaben pro Schüler an Grundschulen. Immer mehr Bildungsausländer studieren an deutschen Hochschulen. Zudem ist die Zahl der Kooperationen deutscher mit internationalen Hochschulen deutlich angewachsen. Der Anteil der frühzeitig aus dem Schuldienst ausscheidenden Lehrer ist gesunken. Der Ganztagsunterricht an Grund- und weiterführenden Schulen wurde ausgedehnt. Der Professionalisierungsgrad des Personals in Kinder-
Tageseinrichtungen hat zugenommen. „In kaum einem anderen Bereich wurde in den vergangenen Jahren so viel modernisiert wie in der Bildung“, sagt Max A. Höfer, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.
„Wir freuen uns sehr, dass der Ansatz der Wirtschaft aufgenommen wird, mehr in das Humankapital der Jugend zu investieren.“
Berlin und Hessen mit größtem Zuwachs seit 2006 Im Vergleich zum Bildungsmonitor 2004 legten Sachsen (16,2 Punkte), Thüringen (15,6) und Sachsen-Anhalt (15,1) am meisten zu. Schränkt man den Vergleich auf den vorjährigen Bildungsmonitor 2006 ein, haben Berlin (6,0), Hessen (4,9) und Thüringen (4,2) zuletzt am stärksten gepunktet (Einzelne Stärken und Schwächen der Länder können Sie ab Dienstag, 12.00 Uhr unter www.insm-bildungsmonitor.de einsehen).
Wie schon im vergangenen Jahr ist Sachsen (mit diesmal 68,9 Punkten) Gesamtsieger im Bundesländervergleich. Zum Spitzenquartett zählen auch Baden-Württemberg (66,1 Punkte), Thüringen (65,1) und Bayern (64,8). Die beiden süddeutschen Länder können auf die niedrigste Abbrecherquote an den Schulen verweisen, die beiden ostdeutschen Bundesländer auf die sehr gute Betreuungsrelation.
Das Saarland, Niedersachsen, Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Bremen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen bilden das breite Mittelfeld. Mecklenburg-Vorpommern fällt als Schlusslicht etwas ab.
Unternehmen in Deutschland suchen derzeit verstärkt nach Ingenieuren. Umso bedenklicher ist der Umstand, dass die Ausbildungsleistung in den MINT-Wissenschaften (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sich im Vergleich zum Bildungsmonitor 2004 in vielen Bundesländern verschlechtert hat. So ist die Zahl der Ingenieurabsolventen zwischen 2000 und 2005 um knapp vier Prozent gesunken.
In nahezu allen Bundesländern sind die Bildungsausgaben pro Schüler, gemessen an den Gesamtausgaben eines Landes pro Einwohner, gestiegen. Dies gilt insbesondere für die Jüngsten an den Grundschulen in Ostdeutschland. In Sachsen stiegen die Ausgaben pro Grundschüler zwischen dem Bildungsmonitoren 2004 und 2007 um 42 Prozent, in Brandenburg um 28 Prozent, in Sachsen-Anhalt um 38 Prozent, in Thüringen um 24 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern um 29 Prozent. Der demographische Wandel schlägt sich nicht nur in sinkenden Schülerzahlen nieder, sondern bietet Chancen bei gleich bleibendem Budget, die Betreuung und Förderung des einzelnen Kindes zu verbessern.
Die meisten deutschen Bundesländer holen beim Grad der Akademisierung auf: Immer mehr Schüler verlassen die Schulen mit der Hochschulreife. In Berlin verlassen 33,6 Prozent eines durchschnittlichen Altersjahrgang die allgemein bildenden Schulen mit dem Abitur. In Bermen sind es 32,5 Prozent und 31,2 Prozent in Hamburg. Bayern (19,2 Prozent) und Baden-Württemberg (21,6 Prozent) stehen am unteren Ende, wobei im Ländle weitere 22 Prozent ihr Abitur an einer beruflichen Schule erwerben. Die Höherqualifizierung in Deutschland setzt sich somit fort, liegt aber noch immer unter OECD-Schnitt.
Die Studie vergleicht die Bildungssysteme der 16 deutschen Bundesländer an Hand von 104 Indikatoren, darunter: Klassengröße, Pisa-Ergebnisse, Zahl der Bildungsabschlüsse von Schülern und Studenten und die Studiendauer. Diese werden 13 bildungspolitischen Handlungsfeldern zugeordnet. Die verwendeten Indikatoren wurden unter anderem von den Statistischen Landesämtern und der OECD erhoben und stammen mehrheitlich aus dem Jahr 2005, dem aktuellsten statistisch verfügbaren Kalenderjahr. Die Studie wird jährlich erstellt und 2007 zum vierten Mal durchgeführt.
Kontakt: Ronald Voigt: 0221/ 4981 418; voigt@insm.de; Detailergebnisse: www.insmbildungsmonitor.de.
Die INITIATIVE NEUE SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT ist eine überparteiliche Reformbewegung von Bürgern, Unternehmen und Verbänden für mehr Wettbewerb und Arbeitsplätze in Deutschland. Der INSM-BILDUNGSMONITOR wurde 2005 nach 2004 zum zweiten Mal durchgeführt. Er unterliegt einem bildungsökonomischen Ansatz, bei dem die Qualität eines Bildungssystems danach bewertet wird, inwiefern dieses zu einer Steigerung von Standortqualität, Wachstum und Beschäftigung beitragen kann.
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